Im Kontext des Themas „Mensch sein“ im Fach katholische Religion waren wir (für die Schüler/innen überraschend) in der Stuttgarter Leonhardskirche zu Gast. Eine eindrückliche Erfahrung, von der zwei der beteiligten Neuntklässler ungeschminkt berichten:

    „Deutschland ist ein entwickeltes Land!“, „Einen besseren Sozialstaat? Brauchen wir nicht, unserer funktioniert doch wunderbar. Bei uns gibt es keine Armut.“ Sowas ist leicht gesagt und oft gehört, doch die katholische Religruppe der 9. Stufe wurde an diesem Donnerstag in der wohl direktesten, aber auch wirksamsten Weise eines Besseren belehrt.

    Am Donnerstag, den 25. Januar, erlebten ca. 15 Schüler unserer Schule ein ganz besonderes Mittagessen in der Vesperkirche Stuttgart. Klar waren da erstmal verwirrte und verunsicherte Blicke zu sehen, die aber bald dem großen Interesse der Schülerinnen und Schüler Platz machten. Dort angekommen verständigten wir uns erstmal mit einigen Mitarbeitern, um zu fragen, ob auch genügend Plätze frei seien. Nachdem man uns versichert hatte, wir würden niemandem den Platz klauen, stellten wir uns in die Schlange zur Essensausgabe. Was sofort auffiel, waren die Massen an Menschen, die hierher zum Essen kamen. Später erfuhren wir, dass es jeden Tag um die 500 Leute sind. Als wir vorne standen, waren wir überrascht, dass es keinen festen Preis gab, sondern jeder nur so viel, wie er zahlen konnte, in ein Kästchen warf. Nun hatten wir diese Aufgabe gemeistert, wurden jedoch direkt vor die nächste gestellt, die Platzsuche. Endlich hatte jeder einen Platz gefunden und wir begannen Rollbraten mit Knödeln zu genießen, was sehr gut schmeckte. Wie erhofft, kamen wir relativ schnell ins Gespräch mit unseren Nebensitzern und erfuhren so, dass die meisten hier aufgrund von Altersarmut waren. Sie erklärten uns, dass sie sich schlicht nicht mehr leisten konnten, eine warme Mahlzeit zu kochen. Durch die sehr angenehmen aber auch bedrückenden Gespräche, fanden wir auch heraus, dass unser Sozialstaat wohl doch nicht so gut funktioniert, wie gerne mal von der Regierung und einem Großteil der Bevölkerung angenommen. Besonders erschüttert hat uns, dass viele sich nicht einmal erlauben können täglich die ca. 1,50€ auszugeben. Nachdem wir nochmal mit ein paar Mitarbeitern gesprochen hatten und Essenspakete angeboten bekommen hatten, machten wir uns auf den Rückweg, auf welchem wir noch eine Fahrt mit dem Paternoster im Rathaus unternahmen…

    Abschließend können wir sagen, dass dieser Ausflug schockierend, aber sehr informativ und lehrreich war. Denn egal, wie gut das Essen schmeckte und egal ,wie nett die Leute waren – wir hatten doch ein unangenehmes Gefühl, die Mahlzeit derer, die auf die Speisung angewiesen sind, zu essen.

Schüler der Klasse 9

 
    Die Vesperkirche befindet sich in der Nähe des Rathausplatzes und hat diesen Zweitnamen, weil dort jeden Tag von 11:00-14.30 ein warmes Essen für Hilfsbedürftige angeboten wird.

    Wir sind am Donnerstag nach der Schule direkt dort hingegangen. Vorbereitet waren wir nicht. Als wir am Ort erfuhren, dass wir dort zu Mittag essen gingen, waren wir alle sehr erstaunt und ich habe nicht hineingehen wollen. Und wieso nicht?

    Weil ich sofort das Gefühl und die Angst hatte den Ärmeren das knappe Essen wegzuessen. Mich hat es interessiert zu sehen wie es anderen geht doch ich wollte nicht von oben auf sie starren und das Gefühl haben ihnen ihr Essen weg zu nehmen. Ich finde es ist eine wichtige Erfahrung, die einen noch mal tiefer über diese Situation nachdenken lässt. Doch mit dem Gedanken und Zwang dort etwas essen zu müssen habe ich mich bis jetzt nicht abgefunden.

    Wir sind dort unvorbereitet in unseren Alltags-/schickeren Klamotten hineingelaufen, und haben dann auch noch angesehen wie es diesen Leuten geht. Ich selber habe mich am falschen Platz zum Helfen empfunden.

    Lieber hätte ich etwas gespendet oder für ein paar Stunden beim Abwasch und Kochen mitgeholfen oder selbst etwas gebacken/ gekocht und so eine bessere Erfahrung für mich, unsere Klasse und den betroffenen Leuten gesammelt.

    Im Nachhinein bin ich trotz allem froh, dass wir dort waren und diese Erfahrung gemacht haben.

Schülerin der Klasse 9

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